Institute of Food Economics and Consumption Studies

PhD Project

Project Description:

Die große Mehrheit der Unternehmen im landwirtschaftlichen Sektor sind Familienbetriebe, bei denen Eigentum und Management innerhalb der Familie von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Analyse der Hofnachfolgeentscheidung in landwirtschaftlichen Familienbetrieben auf regionaler und einzelbetrieblicher Ebene. Datengrundlage der einzelbetrieblichen Analyse ist eine Befragung zur Hofnachfolge von Landwirten in Schleswig-Holstein, die um Buchführungsdaten der antwortenden Landwirte ergänzt wurde. Eine empirische Analyse der Hofnachfolgesituation in Deutschland dient der Ermittlung von Einflüssen unterschiedlicher Rahmenbedingungen auf den Anteil der Betriebe mit Hofnachfolger in einer Region. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass bei einem vermehrten Angebot außerlandwirtschaftlicher Erwerbsmöglichkeiten weniger Betriebe übergeben werden. Ein positiver Einfluss der Anerbengesetze kann hingegen nicht festgestellt werden. Ein hoher Anteil von Nebenerwerbsbetrieben verringert die Anzahl der Betriebe mit Hofnachfolger, woraus gefolgert werden kann, dass der Nebenerwerb eine Vorbereitung auf eine spätere Aufgabe der Bewirtschaftung ist. Weiterhin zeigt sich ein Einfluss der Betriebsgrößenstruktur auf die Hofnachfolgesituation. Sind die Betriebe im Durchschnitt größer, ist eine größere Konkurrenz auf dem Bodenmarkt zu verzeichnen, was dazu führt, dass Betrieben mittlerer Größe das Wachstum erschwert wird. Daher werden diese Betriebe weniger häufig übernommen werden als Betriebe, die ohne größere Schwierigkeiten wachsen können. Die Hofnachfolgeentscheidung schleswig-holsteinischer Landwirte wird mit einem Discrete-Choice-Modell analysiert. Die Schätzergebnisse zeigen, dass die Hofnachfolgeentscheidung von verschiedenen betrieblichen und persönlichen Charakteristika beeinflusst wird. Betriebe die eine höheren Gewinn erzielen und in den letzten Jahren gewachsen sind sowie Investitionen getätigt haben, weisen eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Hofnachfolge auf als kleinere Betriebe ohne betriebliches Wachstum. Eine größere Anzahl von Söhnen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Hofnachfolge. Mit zunehmendem Alter des Betriebsleiters steigt die Wahrscheinlichkeit einer Hofnachfolge erst an und sinkt dann wieder ab. Weiterhin führt eine hohe Bindung an den Hof dazu, dass der Hof häufiger übergeben wird. Eine negative Einstellung zum Beruf des Landwirts und eine negative Beurteilung von Wachstumsmöglichkeiten senken hingegen die Wahrscheinlichkeit einer Hofnachfolge. Für die Analyse des Zeitpunkts der Hofnachfolge oder Hofaufgabe kommt ein Competing-Risk-Modell in der accelerated failure-time Spezifikation zur Anwendung. Aus den Schätzergebnissen ist ersichtlich, dass der Zeitpunkt der Hofnachfolge und der Zeitpunkt der Hofaufgabe in unterschiedlicher Weise von betrieblichen und persönlichen Charakteristika abhängig sind. Während größere und effizientere Betriebe bei Planung einer Hofaufgabe länger bewirtschaftet werden, werden wachsende Betriebe mit einem höheren Gewinn früher an einen Nachfolger übergeben. Ein ähnlich konträrer Effekt zeigt sich bei der Bedeutung der persönlichen Kriterien, die den Zeitpunkt der Aufgabe der Bewirtschaftung beeinflussen. Werden diese höher gewichtet, erfolgt die Hofnachfolge später, während die Hofaufgabe früher stattfinden wird.

 

Link: Hofnachfolge in Schleswig-Holstein