Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre

Determinanten der Korruption und dynamisches Verhalten

Die Analyse der Determinanten von Korruption mittels ökonometrischer Methoden befindet sich noch in einem relativ jungen Stadium. Die Mehrzahl der empirischen Arbeiten nutzen Querschnittsdaten. Subjektive Korruptionsindikatoren (z.B. der Corruption Perceptions Index von Transparency International oder der Graft-Index der Weltbank) werden zum Vergleich der Korruptionsniveaus in den verschiedenen Ländern herangezogen. Dabei haben sich unter anderem das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, die Offenheit gegenüber dem Welthandel, ein Rechtssystem in der Tradition des common law, Pressefreiheit und der Einfluss von Frauen in der Politik als wichtige Determinanten erwiesen. Die Verwendung von Fixed und Radom Effects Modellen zur Analyse des Korruptionsniveaus ist weniger verbreitet. 

Zahlreiche formale Arbeiten stellen die These der Existenz multipler Gleichgewichte auf. So gehen z.B. J. C. Andvig und C. O. Moene (1990) davon aus, dass das Korruptionsniveau in der Periode t+1 u.a. von dem vermuteten Anteil korrupter Beamter in der Periode t abhängt.  Die Autoren zeigen, dass stabile Gleichgewichte existieren, bei denen eine kleine Änderung der Wahrnehmung des Anteils korrupter Beamter langfristig immer wieder zu einem hohen bzw. niedrigen Korruptionsniveau führen. Eine empirische Analyse dieser formalen Modelle steht bis jetzt aus. 

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes werden die genannte Punkte aufgegriffen: Die Verwendung von Fixed und Random Effects Modellen bietet die Möglichkeit länderspezifische Eigenschaften herauszufiltern. Dabei steht vor allem der Einfluss des Korruptionsniveaus der Vorperiode im Mittelpunkt des Interesses. Korruption ist ein Phänomen mit einer hohen Persistenz und die Position der Länder in den verschiedenen Korruptionsindikatoren ändert sich nur in einem engen Rahmen. 
Mittels der Kerndichteschätzung soll die Verteilung des Korruptionsniveaus untersucht werden. Eine deutlich mehrgipflige Verteilung über mehrere Jahre würde die Hypothese der multiplen Gleichgewichte unterstützen. 

 

Laufzeit: 2000-2004
Bearbeitung: Dr. Thomas Herzfeld