Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre

Erhöhung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel: Budget- und Wohlfahrtseffekte für Konsumenten

In der Bundesrepublik Deutschland wurde am 1. Januar 2007 die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% angehoben. Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel in Höhe von 7% wurde beibehalten, wird aber immer wieder diskutiert. Inhalt dieser Diskussionen sind die Vertei­lungswirkungen zwischen verschiedenen Haushaltsgruppen, die bei einer Abschaffung des ermäßigten Steuersatzes entstehen würden. Ziel dieser Analyse ist es, die durch eine Mehrwertsteueranhebung bei Lebensmitteln entstehenden Wohlfahrtseffekte für verschiedene Haushaltsgruppen zu quantifizieren. Daneben werden, weil ebenso in der politischen Diskussion bedeutsam, Budgeteffekte berechnet, welche die Ausgaben vor und nach Erhebung der Steuer betrachten. Methodisch liegt dieser Analyse ein Almost Ideal Demand System (AIDS) zugrunde, welches auf Basis von Querschnittsdaten des Jahres 2003 für 11831 bundesdeutsche Haushalte geschätzt wird. Zwei Aspekte müssen bei der Verwendung von Querschnittsdaten berücksichtigt werden: die mangelnde Preisinformation sowie das Vorhandensein von Nullbeobachtungen. Dem ersten wird mittels eines Ansatzes zur Preisbereinigung von Cox und Wohlgenannt (1986) begegnet, dem zweiten mittels eines Verfahrens zur Vermeidung eines Selektivitätsbias nach Shonkwiler und Yen (1999). Die Ergebnisse zeigen, dass Haushalte unterer Einkommen sowie Kinderhaushalte gemessen am Einkommen vergleichsweise höhere Wohlfahrtsverluste realisieren.