Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre

Die Nachfrage nach Convenience-Lebensmitteln und deren Einfluss auf die ernährungsphysiologische Qualität

Convenience-Lebensmittel erfreuen sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. So stieg der Pro-Haushalt-Verbrauch an Tiefkühlkost, der mengenmäßig am stärksten nachgefragten Produktkategorie innerhalb der Convenience-Lebensmittel, zwischen 1993 und 2003 um 23,5kg und zwischen 2003 und 2013 immerhin noch um 8,8kg an. Das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung fand zudem heraus, dass Fertiggerichte etwa jeden dritten Tag serviert werden. Branchenexperten sehen in Convenience-Lebensmitteln einen sich an den Alltag anpassenden Massentrend, der vor allem von frischen Convenience-Lebensmitteln dominiert wird. Im europäischen Vergleich sind in Deutschland Convenience-Lebensmittel allerdings bei Weitem noch nicht so stark in die Speisepläne der Haushalte eingebunden wie beispielsweise in den Niederlanden oder Großbritannien. Es wird daher eine aus Sicht der Hersteller steigende, sich an dem Vorbild der europäischen Nachbarn orientierende Entwicklung erwartet, die gerade im Bereich der frischen Convenience-Lebensmittel große Umsatzpotentiale für Hersteller birgt.

Viele Ernährungswissenschaftler stehen der ernährungsphysiologischen Qualität eines Großteils der sich auf dem Markt befindlichen Convenience-Lebensmittel kritisch gegenüber. Im Fokus stehen dabei hochverarbeitete Produkte. Vor allem Fertiggerichte und Mahlzeitenkomponenten enthalten oft einen hohen Energie- und Fettgehalt und sind vergleichsweise salzreich. Zudem besitzen sie meist verringerte Nährstoffgehalte. Hinzu kommt ein standardisierter Geschmack, der sich bei häufigem Verzehr auf die Lebensmittelpräferenzen auswirken kann.
Trotz der steigenden Bedeutung der Convenience-Lebensmittel fehlen für Deutschland bislang wissenschaftliche Untersuchungen i) zum tatsächlichen Kaufverhalten, ii) zur Einbindung dieser Produkte in den Speiseplan sowie iii) zur Auswirkung des Konsums auf die ernährungsphysiologische Qualität. Während die Nachfrage nach anderen an Bedeutung gewinnenden Produktgruppen, wie Bio-Produkten, bereits durch eine Vielzahl von Studien untersucht wurde, fehlen wissenschaftliche Studien im Convenience-Bereich. Die Bereitstellung solcher Informationen ist sowohl für die Ernährungsökonomie als auch –wissenschaft von großem Interesse. 

Beginn: 01.01.2015

Betreuung: Silke Thiele